Die Frauenkirche ist mit ihrem kreuzförmigen Grundriss und den fünf Türmen ein einzigartiges Bauwerk. Als das Wahrzeichen Kalundborgs und zugleich ein prächtiges Denkmal früherer Grossmachtzeiten liegt sie auf einem Hügel, dessen niedrigen weatlichen Ausläufer um 1170 von dem Magnaten Esbern Snare als Wehr gegen wendischen Seeräuber befestigt wurde. Der hochgelegene Stadtkern überdem Hafen wurde im 14. Jh. Von Ringmauern und Graben sowie einer im Osten gelegenen neuen Burg (Schloss Kalundborg) umgeben.Diese Einrichtungen verschwanden nach dem Mittelalter; die um die Kirche erhaltenen spätmittelalterlichen Steinhäuser stehen heute noch als Zeugen einer Blütezeit der Stadt.

Auf dem Friedhof ist der Hauptteil der mittelalterlichen Mauern erhalten. Die drei Eingangstore sind jedoch neueren Datums. Zwei Steinhäuser um 1500 fügen sich als ein Teil der Umfassungsmauer ein: Im Südosten die Kirchencheune (seit 1973-74 als Gemeinderaum) und im Nordwesten das Schul- und Pfarrhaus (seit 1877 als Leichenhalle).

Das heutige Aussehen der Frauenkirche ist ein Ergebnis der Instandsetzungen von 1867-71 und 1917-21. Der Kern des Grundrisses ist ein quadratisches Schiff, der mit vier gleichlangen Kreuzarmen mit polygonalen Schlüssen erweitert wird. Der innenkreis, der bei Verwendung einer Meβeinheit von 30,75 cm scheint aufgeteilt zu sein , ist nach einfachen Zahlenverhältnissen proportioniert, entsprechend den harmonischen Obertönen der Musik. Auβer Spiegelung der universalen Gesetze des göttlichen Bauherrns, ist zu bemerken, daβ der Schiffsumfang von 144 Einheiten der Beschreibung des himmlischen Jerusalems entspricht (Offenbarung Johannis , Kap. 21.17).
Als Baumaterial dienten grosse, rötliche Backsteine kombiniert mit Granit, dessen Stärke und Tragfähigkeit von den vier mächtigen Pfeilern,die den Turm des Schiffs tragen, demonstriert werden. Wie die Fenster wurden auch die drei Eingangsportale in den Jahren 1917 – 21 rekonstruirt.

Im Vergleich zur robusten Gröβe des Äuβeren wirkt das Kircheninnere wie ein feine Miniatur. Den Eindruck der Kirche bestimmen die Wände im Farbton roter Backsteine, während Portal- un Fensterlaibungen sowie Gewölbekappen mit ihren weiβgetünchten Putzflächen den Kirchenraum erleuchten. Ein Bildfragment um 1225 im nördlichen Chorfenster bezeugt die ehemalige Ausschmückung des Raumes mit Wandmalereien. Die Halbpfeiler des Schiffs, die Treppe in der südostecke und die neuen Gratgewölbe sind 1917 – 21 nachgeschaffen. Ursprüngliche Tonnengewölbe der Kreuzflügel tragen zum Teil die Auβentürme.

In der Forschung hat es zu den architektonischen Anregungen bisher unterschiedliche Interpretationen gegeben (byzantinische, russische Holzbaukunst, Wehanlage u.a.m), aber den neuesten Annahmen zufolge stellt die Kirche einen anspruchsvollen Versuch dar, einen symbolträchtigen Bau zu gestalten, der der Beschreibung des himmlischen Jerusalems entspricht – eine steinerne Gottesburg entsprechend der zeitgenössischen Kreuzzugsgesinnung. Vergleiche hierzu die liturgischen Gegenstände, wie Altäre, Rauchfässer, Taufdeckel , Radleuchter, usw., wo diese Bedeutung oft durch Inschriften dokumentiert ist. Die konkrete Form spricht von den Einflüssen einheimischer Zentralbauten. Heilig-Grab-Krirchen sowie Turmgruppen in den französischen und reheinischen kathedralbauten, während die technischen Lösungen sich an den frühen seelädischen Backsteinbau eng anknüpfen.
Über den Baurherren und den Baubeginn berichten keine mittelalterlichen Quellen. Die Renaissance führte die Datierung auf die Zeit der Burganlage Esbern Snares um 1170 zurück ; aber eine Umwertung der stilistischen Kennzeichen deutet auf einen βauf einen etwas späteren Baubeginn hin, und zwar auf die ersten Jahrzehnten des 13. Jh. , als die Tochter Esbern Snares, Ingeborg, die Burgbesitzerin war.

Erhalten ist die mittelalterlische Sakristei om 1400 als Anbau an der nördlichen Chorseite errichtet und um 1500 mit einem Obergeschoβ ausgebaut. Um 1800 war die Kirche äuβerst baufällig geworden. Eine Renovierung 1820 – 22 hat jedoch nicht den Einsturz des mittleren Turmes 1827 abgewehrt. Erst 1867 – 71 wurde er in Verbindung mit einer umfassenden Restaurierung neu errichtet, die jedoch 50 Jahre später in vielen Punkten verbessert wurde. Von der mittelalterlichen Kirchenausstattung sind nur wenige Gegenstände erhalten geblieben. Die Granittaufe stammt vom Baubeginn der Kirche und ist die Arbet eines Steinmetzen , der auch für andere mitglieder der Familie Esbern Snares tätig war. Ein kleines romanisches Kruzifix aus Bronze mag einen Teil eines sogenannten "golden Alteres" gewesen sein. Spätmittelalterlich , um 1500 , sind das hölzerne Kruzifix des Heiligenkreua-Alteres sowie zwei Altarleuchter-Paare. Die neue Kirchenordnung der Reformation hatte zur Folge, daβ der relativ kleine Raum bis zum Bersten voll überfüllt war von Gestühl und Emporen , die um 1820 abgebaut wurden . Der Altar wurde 1650 von Lorentz Jørgensen in Holbæk geschnitzt (bemalt 1701). Die heutige Kanzel wurde 1871 von Wilhelm Tvede entworfen und von zeitgleichen Gmälden von Anton Dorph gesmückt. Die einzel-nenSthüle und die Orgelempore über der Vorhalle im westlischen Kreuzflügel wurden 1917-21 gefertigt, Während das Orgelwerk von Th. Frobenius und Co. Gebaut wurde (1957). Die Fensterglasmalerein im nördlichen Kreuzflügel sin ein Arbeit des Emmanuel Vigelands (1928). Drei Epitaphien aus dem 16. Und 17. Jh. Sind im Krichenraum erhalten geblieben, während eine groβe Anzahl von Grabplatten, hauptsächlich aus dem 18. Jh. sich heute auf dem Friedhof , bzw. In der Leichenhalle befinden.

Deutshche Übersetzung: Bodil Moltesen Ravn.